Eisenbahnreisen für Eisenbahnfreunde

Reisebericht Seidenstraße Teil 1

Bahnabenteuer Seidenstraße Teil 1: Von Moskau nach Alma-Ata

 

Sonntag, 03.09.2017

Flug mit Airline 07 von Düsseldorf nach Moskau-Domodedovo. Vom Flughafen fährt man komfortabel mit dem Aeroexpress nach Moskau-Pavelezkaja. Wir erreichen zu Fuß weit nach Mitternacht das Hotel Voyager. 

 

 Auch bei Nacht ist Moskau sehenswert !!

Montag, 04.09.2017

Bei gutem Wetter schauen wir uns die Innenstadt an: Bolschojtheater, Roter Platz, Kaufhaus GUM, Basilius-Kathedrale.

      Kaufhaus Gum und 



  Basiliuskathedrale
 
Am Nachmittag fahren wir mit Bus Nr. 2 zum Siegespark. Nach gutem Abendessen in einem georgischen Lokal nehmen wir die U-Bahn und fahren auf Umwegen zurück in Richtung  Hotel, nicht ohne einige schöne Stationen zu besichtigen. Die Moskauer U-Bahn ist sensationell, sowohl was die Ausgestaltung der einzelnen Stationen betrifft, als auch die Kürze der Zugfolge.  Alle 1,5 Minuten fährt in der Hauptverkehrszeit ein Zug.

 

                                         Hier geht es in die Tiefe

   Motivwagen -Kriegszeit  


keine Kathedrale -Metrostation

Dienstag, 05.09.2017

Am Bahnhof Pavelezkaja besorgen wir uns die Fahrkarten für die kommenden Zugfahrten. Dies geschieht sehr elegant am Automaten. Die Voucher habe ich Online bei der russischen Bahn am heimischen PC besorgt. Da es regnet, fahren wir wieder einige interessante U-Bahn-Stationen an. Anschließend besichtigen wir den Kreml und einige Kremlkirchen. In der Fressmeile eines riesigen Einkaufzentrums direkt an der Kremlmauer essen wir zu Abend. Es gibt dort Spezialitäten aus der ganzen Welt.

 


                                      Der Kremlturm

Mittwoch, 06.09.2017

Am Vormittag besichtigen wir das Eisenbahnmuseum in der Nähe des Bahnhofes Pavelezkaja. Danach Fahrt mit der Straßenbahnlinie 35 bis zur Endstation.

der Leninzug  

an der Endhaltestelle


  

Zurück zum Bahnhof steigen wir in unseren Luxuszug nach Wolgograd ein. Abfahrt 14:05 Uhr.
 

    rechts - unser Zug 


 Wir haben uns ein 1.-Klasse-Abteil gegönnt. Der Zug hat nur modernste Wagen, alles blitzblank sauber. Essen und Trinken ist im Fahrpreis enthalten.

 

 da kann man es aushalten!
 

Donnerstag, 07.09.2017

Gegen 8:30 Uhr kommen wir in Wolgograd an. Wir übernachten im Hotel Ring. Swetlana, die Dame an der Rezeption bietet uns eine Stadtrundfahrt für 85 Dollar an. Mit ihrem Privatwagen fahren wir ca. 35 km Richtung Westen zu den von den Deutschen im zweiten Weltkrieg zerstörten Dörfern Bolschaja und Malaja-Rossoschki. Von den Dörfern ist nichts mehr zu sehen. Dafür russische und deutsche Soldatenfriedhöfe. In der Nähe ist ein kleines  Privatmuseum. Dort befinden sich Überreste von Ausrüstungsgegenständen.
 russischer Soldatenfriedhof

Am Nachmittag besuchen wir das Stalingradmuseum mit einem Diorama und bemalter 360 Grad Großleinwand, wo sehr realitätsnah Kampfszenen der Schlacht um Stalingrad dargestellt werden.   

 Ruine der Traktorenfabrik als Mahnmal  

 

Freitag, 08.09.17

Swetlana fährt uns zum Wahrzeichen Wolgograds zur Statue „Mutter Heimat“. Die Skulptur ist 85 m hoch und 5.000 Tonnen schwer. Sie ist auf dem höchsten Hügel Wolgograds gebaut. Von der Straße führen 200 Stufen nach oben. Jede Stufe repräsentiert einen Tag der Stalingrad-Schlacht.


  Mutter Heimat

Am Mittag unternehmen wir eine Schifffahrt auf der Wolga, dem längsten und wasserreichsten Strom Europas. Am Abend geht es wieder zum Bahnhof, da 19:58 Uhr Abfahrtszeit des Zuges nach Kumgrad ist. Wir betreten erstmalig usbekische  Waggons, nicht sehr sauber, weshalb wir zuerst eine Grundreinigung des Abteils vornehmen.  Die Nacht ist kurz, da wir gegen 3:00 Uhr an der russischen Grenzstation ankommen Die Kontrollen dauern 2 1/2 Stunden. Dann fährt der Zug ein kurzes Stück weiter zum kasachischen Grenzbahnhof. Es erfolgt die gleiche Prozedur. Noch einmal bleibt der Zug über 2 Stunden lang stehen. Die Uhr müssen wir um 3 Stunden vorstellen, da wir uns in einer anderen Zeitzone befinden.


 ein Beobachtungsposten auf der Strecke

 
Samstag, 09.09.2017

Dieser Tag wird komplett im Zug verbracht. Die Fahrt geht südöstlich am kaspischen Meer vorbei. Die Landschaft ist karg, wenig Vegetation und meist Halbwüste. An der usbekischen Grenze finden wieder umfangreiche Grenzkontrollen statt. Alles wird durchsucht.
 

                                     schöne, karge Landschaften ziehen am Fenster vorbei

Sonntag, 10.09.17

Ankunft in Kungrad um 10:18 Uhr. Zwei Autos stehen für uns bereit zur Fahrt nach Monjak. Dieser Ort war einmal eine Hafenstadt am Aralsee, der mittlerweile zu 90% ausgetrocknet ist.


                       Entwicklung des Sees                                    Auf dem ehemaligen Seegrund


Am früheren Steilufer ist eine Gedenkstätte und der Zugang zum ehemaligen Seegrund, auf dem sich zahlreiche Schiffswracks befinden. Weiter geht es nach Nukus, zu unserem Hotel Ratmina.

 


Montag, 11.09.17

Wir besuchen am Vormittag das bekannte Sawitzky Museum für Malerei. Es befindet sich dort eine Sammlung von Bildern nichtkonformer russischer Maler zur Zeit des Kommunismus.

 


 Warten auf den Zug im modernen Bahnhof

13:14 Uhr geht der Zug nach Urganch. Da das Bahnnetz zu Sowjet- und Zarenzeiten gebaut wurde, spielten die heutigen Grenzen keine Rolle. Gebaut wurde gem. der Topografie. Die Strecke von Nukus nach Urganch führte über Dashoguz, das zu Turkmenistan gehört. Aufgrund des aktuellen Grenzverlaufs  nimmt der Zug eine  Strecke, die zunächst ca. 50 km östlich an Urganch vorbeiführt und dann in Pitnak „wendet“, kurz vor erreichen der turkmenischen Grenze, von wo es wieder zurück in nordwestliche Richtung nach Urganch geht. Dieser Umweg beträgt ca. 150 km und macht die Bahnfahrt entsprechend lang. Von Urganch aus fahren wir mit dem Auto  nach Chiwa, da noch der Bahnanschluss fehlt. Selbiger befindet sich aber im Bau!  Wir übernachten im familiengeführten Hotel Kala.

 

Dienstag,  12.09.17

Wir erkunden die Umgebung von Chiwa mit einem jungen Guide, den wir zuvor im Zug kennengelernt haben. Mit einem Taxi fahren wir zu den s.g. Kalas, das sind eingefriedete ehemalige  Städte, von denen nur noch die Grundmauern stehen. Am Nachmittag geht es über Urganch (Marktbesichtigung) zurück nach Chiwa.

 


 eine s.g. Kalas



Mittwoch, 13.09.17
 

Heute treffen wir uns mit einer deutschen Gruppe und nehmen an einer geführten Stadtbesichtigung teil. Chiwa wurde vor 200 Jahren als Festung errichtet und ist bis heute im Originalzustand verblieben. Rund um die Altstadt ziehen sich gewaltige Stadtmauern, die nur 4 Toröffnungen aufweisen.

        
Wahrzeichen ist das unfertige Minarett Kalta Minor. Es hat einen Durchmesser von 14 Metern und ist nur 26 Meter hoch.


 
Kala Minor                           und                                          Eingangstor

Sehr eindrucksvoll sind die Medresen. Das sind Koran- und Hochschulen, die heute überwiegend als Hotels und Museen genutzt werden. Am Nachmittag besteigen wir das Islam-Xo’ja-Minarett, von wo aus man eine grandiose Aussicht über die Stadt hat.

 


 Altstadt mit Islam-Xo’ja-Minarett

  Donnerstag,  14.09.17  

Wir fahren mit dem Bus der deutschen Gruppe ca. 400 km nach Buchara. Die Fahrt führt u.a. über eine Autobahn, auf der kaum Autos fahren. Eine kurze Rast machen wir in der Nähe des Grenzflusses Amudarja, von wo aus man weit nach Turkmenistan hineinschauen kann. Wir übernachten in dem kleinen familiengeführten Hotel Samani Bukhara 

Freitag, 15.09.17

Wir nehmen wieder an einer organisierten Stadtführung teil. Buchara gehört zu den 5 heiligen Städten des Islam. Als erstes besichtigen wir das Samaniden-Mausoleum, ein quadratisches Gebäude mit einer Kuppel und einer 8 und 16-eckigen Decke im Inneren.


 Das Samaniden-Mausoleum

In der Nähe befindet sich das Mausoleum von Hiob. Wahrzeichen ist das Kalon-Ensemble mit der Miri-Arab-Medrese und dem Minarett Kalon. Die dazu gehörende Moschee ist die zweitgrößte in Mittelasien. Die Medrese wird noch in ihrer ursprünglichen Form als muslimische Lehranstalt genutzt. Kurios ist ein deutsches Cafe‘ mitten in der Altstadt. Man bekommt dort u.a. Käsekuchen und deutschen Filterkaffee.

 



                                         Wahrzeichen von Buchara


Samstag, 16.09.17

Als Serviceleistung des Hotels werden wir zum neun Bahnhof nach Buchara gefahren.


    Bahnhof neu 

Bahnhof  alt 


Nach ausgiebiger Kontrolle – wie im Flughafen – betreten wir am Nachmittag das moderne Bahnhofsgebäude um den Afrosiyob, den usbekischen Hochgeschwindigkeitszug zu besteigen. Es ist eine Talgo-Produktion, die Abfahrt ist um 15:21 Uhr, die Ankunft in Samarkand um 16:55 Uhr. Es ist erstaunlich, dass ein Entwicklungsland wie Usbekistan, das über ein marodes Straßennetz verfügt, Geld in eine Hochgeschwindigkeitsstrecke investiert hat. Anscheinend hat das Land aber die Weitsicht, die anderen Ländern fehlt.

 


 von außen
von innen 

Sonntag, 17.09.17  

Samarkand ist für viele die großartigste der Oasenstädte an der Seidenstraße. Sie zählt zu den ältesten Städten der Welt, um deren Besitz einst Dschingis Khan und Alexander der Große kämpften. Das Wahrzeichen ist der Registan, er gilt als der nobelste Platz der Welt. Dieser wird von drei großen Medresen eingerahmt.


  der Registan

 

 


 

eine der drei Medresen 

Wir verbringen an dieser Hauptsehenswürdigkeit  einen halben Tag und besichtigen am Nachmittag einen weiteren riesigen Sakralbau, die Moschee Bibi Khanum. Abends geht es zurück zum Registan. Als Zaungäste nehmen wir an einer sehr beeindruckenden Sound- and Lightshow teil.

Wir übernachten wie den Tag zuvor im  Hotel Caravan Serail.

 

Montag, 18.09.17

Uns steht noch der gesamte Tag zur Verfügung, weswegen wir ein Taxi mit Fahrer anheuern und weitere Sehenswürdigkeiten ansteuern, die sich etwas außerhalb befinden. Besonders beeindruckend ist das Observatorium des Ulug‘bek. Dieser Nachkömmling eines früheren Herrschers hat einen Sextanten mit einem Radius von 40 Metern bauen lassen, mit dessen Hilfe ein Sternenatlas erstellt werden konnte, der auch in vielen europäischen Universitäten damals Verwendung fand.


  im Inneren des Observatoriums

Auch interessant ist die Shohizinda, eine riesige Grabstätte wo religiöse und weltliche Würdenträger ihre letzte Ruhe fanden.

Um 23:38 besteigen wir den Zug nach Kumkurgan. Von Karshi aus wurde vor ca. 5 Jahren eine neue Bahnstrecke nach Termez gebaut um Turkmenistan zu umfahren. Sie führt über einen hohen Gebirgspass und zählt zu den steilsten Eisenbahnstrecken der Welt. Siehe dazu den Reisebericht im Eisenbahnkurier  11/2016.


 Unser Zug im Gebirge



 Frühstückshalt am Morgen


 und faszinierende Landschaften



Dienstag, 19.09.17

Wir kommen um 9:28 Uhr in Kumkurgan an. Die Bergstrecke konnten wir erst am frühen Morgen mit Anbruch der Dämmerung genießen. Am Bahnhof werden wir von zwei Fahrern abgeholt und zum Hotel nach Boysun gefahren. Der Ort selbst ist sehr ursprünglich, ohne jeglichen Tourismus.

 


 ein Straßenmarkt 

Mittwoch, 20.09.17

Am Morgen geht es mit zwei PKW nach Termez, kurz vor der afghanischen Grenze. Die Straßen sind teilweise nur Piste. Dort angekommen, lassen wir uns mit einem öffentlichen Taxi zu einer entfernten Sehenswürdigkeit fahren. Auf dem Rückweg fotografieren wir die Grenzanlagen zu Afghanistan, was der Grenzpolizei gar nicht gefällt. Wir werden angehalten und die Bilder auf den Kameras werden gelöscht. Der Taxifahrer verlangt von uns 50 EUR, die er angeblich bei der Polizei hätte zahlen müssen.

Am Bahnhof Termez wird wieder sehr streng kontrolliert, diesmal nach Geschlechtern getrennt. Unser Zug nach Taschkent fährt um 18:44 Uhr. Wir haben ein Zweibettabteil, es ist angenehm sauber. Leider ist es wieder dunkel, als wir die Gebirgsstrecke passieren.

 

                                   diese schwere Diesellok zieht unseren Zug Richtung Taschkent über das Gebirge


 im 2-er-Abteil ist es sehr gemütlich

Donnerstag, 21.09.17  

Der Zug erreicht um 8:39 Uhr Taschkent, die Hauptstadt Usbekistans.  Nach einem ausgiebigen einheimischen Frühstück in Bahnhofsnähe besichtigen wir als erstes das Eisenbahnmuseum. Als einzige schwarze Dampflok steht sich dort eine deutsche 52-er.


Die Stadt hat einige Sehenswürdigkeiten zu bieten, ein Uhrenturm mit einem Uhrwerk aus Allenstein, eine pompöse Kongresshalle, ein Denkmal für die Erdbebenopfer aus dem Jahre 1966 und weiteres mehr. Auch über eine Metro verfügt Taschkent. Sie ist die kleinere Schwester der Moskauer Metro, mit ähnlich schönen Stationen. Fotografieren ist hier aber strengstens verboten.

 


 die Kongreshalle

Freitag, 22.09.17

Unser Hotelier vom kleinen aber feinen Bo’ston Hotel organisiert für uns eine Stadtrundfahrt. Wir erkunden die Altstadt, den Basar und die weiße Mosche.


 Regierungssitz
 

 Studenden vor der Statue des Staatsgründers 





Am Mittag essen wir in einem typisch einheimischen Lokal das Nationalgericht Plov. Mit zwei Taxis fahren wir gegen Nachmittag zum Bahnhof, da der Zug nach Alma-Aata (Kasachstan) 17:18 Uhr abfahren soll.  Wir freuen uns über saubere Überzüge auf den Sitzen und Teetassen auf dem Tischchen. Kurz nach der Abfahrt räumt der Schaffner aber alles heraus. Nach zwanzig minütiger Fahrzeit ist der Zug an der Grenze zu Kasachstan angekommen. Wieder mal ist Zollkontrolle, diesmal mit Spürhunden.  Die Grenzer sind uns aber gnädig. Sie sind in Magdeburg ausgebildet worden und schwärmen von Deutschland. Insgesamt werden an der Grenze wieder ca. 5 Stunden vergeudet und an Schlafen ist kaum zu denken.

 


 Unterwegs noch viele Loks mit rotem Stern

Samstag, 23.09.17

Sonntag  24.09.17

Am frühen Morgen geht es mit dem Flugzeug über Istanbul nach Frankfurt.